Maßlose GEMA? Alternativen & aktueller Stand

 
Dass dank der GEMA-Gebühren-Erhöhung von nicht zu letzt sogar 2000% Clubs um ihre Existenz bangen dürften, schrieb ich grob bereits hier( auch Augsburger Allgemeine | Dehoga Bundesverband  ) 
Weitere neue Tarif-Rechnungen für 2013.

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USB-Stick-Gebühren fast 2000% höher

Nun aber werden selbst USB-Stick-Gebühren von der GEMA ab Juli um 1850%* erhöht.
*Chip spricht nicht konkret von reinem GEMA-Wille im ZPÜ-Gesamtgebühren-Anstieg (also GEMA, VG Wort sowie VG Bild-Kunst), Süddeutsche meint hingegen „Dann greift der neue, einseitig von der Gema festgesetzte Tarif“.

Ein USB-Stick kann keine Musik abspielen, ein MP3-Player ja, aber kein simpler USB-Stick – das Fehlen des Kopfhörer-Eingangs ist schließlich nicht zufällig. Ein USB-Stick ist ein reiner Datenüberträger, einem Aktenordner ähnelnd, und kann keine Musik abspielen – das kann nur der PC samt System und Player – hierfür gibt es aber bereits GEMA-Gebühren (sogar rückwirkend auf Jahre, PC-Herstellern wurden damit Schulden angehängt von Zeiten als es keine Gebühren gab!). 
Und jetzt auch USB-Sticks? Das Prozedere wirkt wie das Verlangen von Gebühren für eine CD-Hülle, nur weil man damit Musik transportieren kann – ohne sie damit anhören zu können. Bei Geräten mit Boxen oder Kopfhörer-Eingang wäre es nachvollziehbar, bei isolierten Datenträgern hingegen nicht.
Selbst wenn man sich Boot-Systeme draufkopieren würde, könnte man ohne PC oder entsprechende Anlage nichts abspielen. Und für diese Abspieler gibt es bereits Gebühren.

Eigenleistung liegt in meinen Augen hier fern. Bei Abspielgeräten ist es nachvollziehbar, bei CDs schien mir das ein Überbleibsel zu sein, da früher Musik primär nur so über die Ladentheke ging. Aber nun auf alles Gebühren zu erheben, was nichts abspielen kann, hat in meinen Augen nicht viel mit fairer Marktwirtschaft zu tun. 

 
Um Geld gebrachte Mitglieder? 

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Ich verstehe das Ziel der GEMA, Musiker fair zu entlohnen (dem sie ohnehin wohl nicht genügend nachkommen*) und zwar dort, wo Musiker durch Betrug wirklich Verluste machen könnten – aber das hier sind Entlohnungen ohne je Leistung erbracht zu haben. Wenn Musiker Geldprobleme haben, besitzen wir ein Sozialsystem, aber Gebühren unter dem Anspruch einer fairen marktwirtschaftlichen Beziehung zu erheben, die nie existiert hat, ist nicht gerecht. Hier geht es nicht darum, fair zu entlohnen, sondern mit ungerechtfertigten Einnahmen Ansprüche zu erheben, die so nicht bestehen dürften. 

* Das erinnert mich an Sängerin Barbara Clear, die während ihrer Tour 65.000 Euro² Gebühren für eigene Songs abführen musste, erwartet hatte sie mindestens 27.000 Euro Rück-Ausschüttung, bekam aber nur 5.000 Euro. Sie klagte und verlor – die Ausschüttungsmenge läge allein im Ermessen der GEMA selbst. 
²von diesen Zahlen spricht Gulli (verweist auf mkzä) und Euregio. Hingegen spricht Heise von 80.000 Euro abgegeben, 33.200 Euro erwartet, 10.000 Euro bekommen (Heises Quelle existiert nicht mehr). Wikipedia ebenso, mit dem Verweis auf Heise und Gulli(!). In der Wiki-Diskussion verweist die GEMA selbst auf eine nicht mehr vorhandene Quelle. 

Gehört habe ich zudem, dass Michael Jackson, ich glaube, den letzten Deutschlandauftritt seiner Tour vor seinem Tod abgesagt hat, weil er mehr Verluste beim Auftreten in Deutschland eingefahren hätte als Einnahmen erhalten hätte. Das mit Michael Jackson habe ich aber nicht nachgeprüft.

 
Gedrücke in alle Richtigungen 

Vor allem finde ich die Behauptung von Alexander Wolf, Syndikus der GEMA für internationale Rechtsfragen, (hier detaillierter) recht weitblickfrei „Kein Künstler lebt von der Promotion auf Youtube. Und es gibt da auch keine Kausalitäten.“. Ich kenne persönlich Musiker, die sehr gut dadurch verdienen und gerade nur dank Youtube bekannt wurden. Es gibt Bands, die ohne Label und GEMA vor ausverkauften Hallen spielen – so viel dazu, Youtube sei keine Werbung.
Auch hier ein etwas anderes nettes Beispiel: Sängerin Zoe Leela über die GEMA [Gulli]

Dass Musiker selbst Tantiemen für eigene Songs zahlen müssen und dabei weniger rauskriegen können als sie einbezahlt haben, ist bekannt, dass sie über ihr gesamtes Werk ohne Ausnahmen bei der GEMA bei einem Vertrag für 3 Jahre nicht mehr entscheiden können (nicht einmal selbst kostenfrei mit einzelnen Songs Werbung machen können), ist auch bekannt, aber hier kommt noch einmal etwas Deftiges:
– Nur 5% der Musiker bei der GEMA sind stimmberechtigt und dies ist allein von den Einnahmen abhängig. Aber diese 5% kriegen 64,2% der Ausschüttungen nach Heise.
– Sogar wenn man eine Veranstaltung mit GEMA-freier Musik macht, müsse man für jeden einzelnen Song nachweisen, dass er nicht von der GEMA ist (anstatt dass die GEMA die Beweislast trägt). Ist ein einziger Song nicht nachweisbar, müsse man die Gebühren für die komplette Veranstaltung zahlen.

 

Aktuelle GEMA-Alternativen

So lange die GEMA-Problematik kein Ende findet, gibt es ein paar Möglichkeiten:
– Bezüglich freier Sachen ist das hier interessant: C3S.eu
– Eine recht strategische Idee, als Künstler von den Nachteilen der GEMA verschont zu bleiben:

SemperVideo über eine geschickte Möglichkeit.